Das Amfortas Stift

Zunächst sei noch ein offener Punkt aus dem Vorabenteuer "Spieglein Spieglein" zu klären, nämlich was aus dem guten Dr. Stevens (Frank) wurde: Dr. Stevens geriet in die Fänge der Hexe Marianne von Kahlbutz, die ihn auf ihrer Burg gefangen hielt und als Haussklave verwendete. Schließlich gelang Dr. Stevens die Flucht und er kehrte nach Leipzig in sein Haus zurück, wo er sich erst einmal von der Strapazen erholen wird. Frank spielt einen neuen Charakter namens Ricky Martinez. Ricky ist ein spanischer Barsänger, den das Schicksal nach London verschlagen hat, wo er durch die Pubs tingelt und seine Songs "Un dos tres" oder "La vida loca" zum Besten gibt. Leider hat der junge Mann zwar ein hervorragendes Aussehen (16) aber keinen Erfolg, da die Briten des Jahres 1931 diese Musik als zu hektisch empfinden. Er kann nicht wissen, daß er seiner Zeit 60 Jahre voraus ist und um die Jahrtausendwende ein anderer Sänger unter dem Pseudonym Ricky Martin Millionen mit eben diesen Songs machen wird.

Und in London ist es auch, wo der völlig abgebrannte Ricky die anderen Spieler trifft. Eigentlich wollten Pater Sledge (Fritti) und Richter McKinley nur einen Zwischenstop auf ihrer Rückkehr nach Amerika einlegen. Ihre Begleiter Lord Strongbow (Marc) ist auf sein verfallendes Schloß in Dorset heigekehrt und der Antiquitätenhändler Mr. Swillington (Alex) hat sich ebenfalls von den Spielern verabschiedet, da er sich um seinen Laden in London kümmern muß.

Eine trügerische Fassade

Essensausgabe im Amfortas Stift Pater Sledges gutes Herz beschließt sofort, sich um den jungen Spanier zu kümmern, bevor er noch auf die schiefe Bahn gerät. Der Pater nutzt seine Priesterwürde um Ricky einen Schlafplatz in einem Obdachlosen Asyl namens Amfortas Stift zu beschaffen. Was Sledge nicht wissen kann ist, daß der Leiter des Stifts, ein gewisser Pater Stornfield, ein wahnsinniger Kultist ist. Nach aussen hin sind die Amfortas Stifte wohltätige Anstalten, die heruntergekommenen Männern eine Unterkunft und Arbeit beschaffen. In Wirklichkeit dienen sie nur für die Beschaffung von Nachschub für Menschen, die Stornfield der Gottheit Hastur opfert. Die Opfer werden grausam gefoltert und dann in "Wundenengel" verwandelt - abscheuliche Monster, die in einer Zwischenwelt als Sklaven Hasturs vegetieren. "Je größer der Schmerz, desto höher die Gnade" ist Stornfields Motto. Das Verschwinden der Opfer wird so ausgegeben, als hätten sie Anstellung beim Militär oder der Marine gefunden. Stornfield erkennt sofort, daß Ricky einen besonders schönen Wundenengel abgeben würde und bittet ihn, am Sonntag nach der Messe zu ihm privat zu kommen..

Ein Mord auf offener Strasse

Beim Verlassen des Pubs werden die Charaktere Zeuge eines Mordes, bei dem der Täter fliehen kann. Bei dem erstochenen Opfer handelt es sich offensichtlich um einen Obdachlosen. Die Spieler finden eine in einen Zettel eingewickelte Kamee mit einem seltsamen gelben Zeichen auf schwarzem Grund. Auf dem Zettel steht der Name einer Strassenkreuzung in London. Die Spieler suchen den Ort auf, an dem sich unter anderem ein Blumenladen, ein zwielichtiges Lokal und ein Obdachlosenasyl befindet. Leider kommen die Investigators hier nicht weiter.

Weitere nächtliche Abenteuer

Father Stornfield beim Ritual mit seinem Gral Ricky macht erst mal alles mit, was im Amfortas Stift so geboten wird. Er nimmt an der Abendandacht teil, macht ein seltsames unorthodoxes Ritual um einen Kelch mit und tut sich sogar als Sänger religiöser Lieder hervor. Aber Ricky ist zuweilen doch ein heller Kopf. Er wacht in der Nacht durch ein Geräusch auf und bekommt mit, wie einer der Stiftsinsassen von einer Ordensschwester abgeholt wird. Er folgt den beiden bis zur Pfarrkirche St. Michaels, die Father Stornfields zuhause ist. Der Spanier traut sich nichts zu unternehmen und alarmiert lieber seine Freunde Pater Sledge, Richter McKinley und Lord Strongbow.

McKinley schaut sich die Sache erst mal im Alleingang an. Leider sind alle Türen verschlossen, aber der Richter schreckt nicht davor zurück, ein Fenster einzuschlagen und einzusteigen. Aus der Krypta dringen Schmerzenslaute. Richter McKinley schleicht sich vorsichtig hin und erfährt einen riesen Schrecken: Stornfield und die Ordensschwester foltern den armen Obdachlosen gerade grausamst zu Tode. Leider wird er bemerkt und die Kultisten stürzen sich sofort auf ihn. Mit größter Mühe gelingt es dem Amerikaner zu entkommen (wobei er nicht gerade zimperlich gegenüber der Schwester ist).

Der Richter holt eilends Lord Stronbow zu Hilfe, während Pater Sledge (wie schon öfters) lieber weiterschläft. Der Pater vertraut darauf, daß wer schläft nicht sündigt und Gott schon alles richten wird. McKinley und Strongbow klettern abermals durch das Kirchenfenster und sehen sich mit dem buckligen Küster konfrontiert, der mit einer Schrotflinte bewaffnet ist. Da auch die Spieler bewaffnet sind, werfen sich erst mal alle Akteure in Deckung. Strongbows Aktion, unter den Kirchenbänken zu krabbeln um an den Küster heranzukommen, bekommt ihm leider gar nicht gut. Er bekommt eine volle Ladung ab, die ihn erst mal in Ohnmacht schickt. Bevor der Küster nachladen kann, kann Richter McKinley ihn zum Glück k.o. schlagen. Dann kommt auch noch Father Stornfield hinzu, aber auch ihn kann McKinley mit ein paar Faustschlägen ausschalten. Von dem Opfer fehlt inzwischen jede Spur - es ist bereits zum Wundenengel gemacht worden - und so können sich die Helden nur zurückziehen. Die ausser Gefecht gesetzten Kultisten lassen sie liegen, immerhin ist Lord Strongbow schwer verletzt und muß sich sofort ins Krankenhaus begeben. Dort erzählt er eine Geschichte von einem Unfall mit seinem Schrotgewehr und verläßt sich darauf, dass man einem Lord so etwas glaubt.

Ein Richter als Strassenschläger

Umgeben von einem Menschenauflauf liefert sich Judge  McKinley eine Schlägerei Nachdem der amerikanische Richter in der Nacht sein Boxtalent so unter Beweis stellte, juckte es ihn sogleich noch einmal, es zu versuchen. Er verkleidete sich als Obdachloser und schlich um eines der drei Amfortas Stiftshäuser herum. Eine junge Schwester, die das Haus verließ, interessierte ihn so, daß er sie verfolgte. Aha, die Schwester hatte offenbar einen Freund, mit dem sie sich heimlich traf! McKinley fing auch gleich eine Schlägerei mit dem Kerl an, obwohl er eigentlich gar keinen Grund hatte. Bevor aber die Polizei eingreifen konnte oder gar die Zuschauer den "Penner", als den er sich verkleidet hatte, vermöbeln konnte, zog er es vor, das Weite zu suchen. Der Judge kann sich ja überlegen, ob er seine Boxkünste ausbauen will.

Ein Gottesdienst mit Überraschungen

Am Sonntag war es dann soweit. Die Investigators kamen brav zur Messe, die nicht von Pater Stornfield, sondern dem Erzbischof gehalten wurde. Der Bischof bedauerte den Vandalismus, der in diesem Gotteshaus gewütet hatte (zerschlagene Fenster, demolierte Bänke) und entschuldigte den Pater, der krank sei (kein Wunder nach den Schlägen, die er einstecken mußte).

Unser Ricky hatte sich etwas abseits der anderen Spieler gesetzt und wurde schon bald von einer Nonne angesprochen, er möge bitte mit ihr kommen, Stornfield möchte ihn sehen. Brav ging Ricky mit, was für seine Freunde zwar nicht unerwartet kam, aber sie dennoch beunruhigte. Die Nonne führte Ricky in die Krypta, wo Stornfield zusammen mit einer weiteren Nonne auf ihn warteten. Natürlich wollten sie den guten Ricky massakrieren um ihre obskure Gottheit anzurufen und endlich einen ordentlichen Wundenengel aus ihm zu machen. Wollte Stornfield gar seine ganze Gemeinde von irgendeinem Äußeren Gott hinmetzeln lassen? Aber die Investigators kamen dazwischen und es entbrannte ein wilder Kampf während oben in der Kirche die Orgel und der Gesang dröhnte.

Die Kultisten unterlagen freilich gegen die kampferprobten Investigators: Stornfield, der sowieso bereits angeschlagen war, sank niedergeschlagen in einer Ecke zu Boden und die Nonnen - nun, wie kämpfen schon Nonnen? Aber der irre Pater hatte noch einen Trumpf im Ärmel: er brachte unbemerkt eine Beschwörung zustande. Und siehe! Auf einmal tat sich in der massive Steinwand eine Türe aus Licht auf und durch ein Wunder entstieg ihr ein Engel! Aber es war ein fauliger Engel des Todes. Und während die Nonnen in religiöser Verzückung auf die Knie fielen und die greuliche Gestalt preisten, rannten die Investigators um ihr Leben.

Daß ein paar Männer mitten im Gottesdienst aus der Krypta gestürmt kamen und die Kirche fluchtartig verließen, störte den Bischof schon sehr, aber danach brach erst das volle Chaos aus. Da unsere Investigators sich außerhalb, befanden bekamen sie nur die Schreie mit und die flüchtenden Menschen, die sich gegenseitig über den Haufen rannten. Dann zogen sie sich diskret zurück.

Der Tag danach

St. Michaels Am nächsten Tag statteten die Spieler der Kirche St. Michael einen letzten Besuch ab. In der Zeitung konnten sie bereits Berichte lesen, die von einer angeblichen Erscheinung mit darauf folgender Massenhysterie während des Gottesdienstes berichteten. Natürlich glaubt niemand in unserer aufgeklärten Zeit solchen Firlefanz, oder? Das Betreten der Kirche war nicht mehr erlaubt - ein Polizist hielt davor Wache. Von ihm erfuhren die Spieler, daß Father Stornfield in ein Irrenhaus eingeliefert wurde. Hoffentlich bleibt er dort für eine Weile.



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