Wiener Blut

Wie das Schwarzwaldrequiem ist auch dieses Abenteuer mit seiner Ironie und versteckten Anspielungen eines der genialsten Abenteuer aller Zeiten. Wiener Blut ist die Fortsetzung des Schwarzwaldrequiems, das unsere beiden Spieler Jochen alias Richter Alan McKinley und Fritti alias Pater Paul Sledge ("Hammer") in der letzten Sitzung einigermaßen erfolgreich hinter sich gebracht hatten.
Da sie den Rest der Gruppe in Wien zurückgelassen hatten, war es das Naheliegenste dorthin zurückzufahren.
Dort trafen sie wieder den Pathologen Dr. Frank Stevens (Frank) und Lord Frederick Strongbow (Marc) den seine neue Freundin in der Zwischenzeit wieder verlassen hatte, da sie sich das Leben an der Seite eines englischen Lords anders vorgestellt hatte: eine Reise nach Wien ist ja ganz nett aber den ganzen Tag in der Pension Hawlacek zu sitzen ist doch ein wenig langweilig.

Zunächst einmal wurde die in Petersdorf an der Glotter im Schwarzwald erbeutete goldene Statue des Goldmannes von Tsorga Lothoth bei einem Goldaufkäufer verkauft und brachte McKinley und Sledge je 25.000 englische Pfund ein. Damit haben die beiden für den Rest ihres Lebens ausgesorgt. Der Meister ermahnte Pater Sledge, daß er als Geistlicher seinen Besitz der Kirche zur Verfügung zu stellen habe, was dieser in der Art kommentierte, daß sein Zugehörigkeitsgefühl zu dieser Institution bereits zu sehr zerrüttet sei. Der Meister nimmt mit Genugtuung zur Kenntnis daß wieder eine Seele mehr dem Cthulhu Mythos verfallen ist. Außerdem wer weiß schon, ob der Goldmann wirklich eingeschmolzen wurden oder schon längst wieder in Petersdorf an der Glotter ist?

Dann überlegten die Spieler ernsthaft, ob sie das Abenteuer nicht beenden, Wien verlassen und nach hause gehen sollten. Der Mordfall an einem Pfandleiher, von dem die Zeitungen berichteten interessierte außer Pater Sledgen keinen von ihnen.

Im Narrenhaus

Prof. Dr. Freud meldete sich wieder, daß Grethe Lohmanns Zustand sich gebessert und stabilisiert habe und er die Behandlung vorläufig eingestellt habe. Grethe befinde sich im Sankt Eulasisus Stift, einer Heilanstalt für seelisch Kranke mit finanziellem Rückhalt. An dieser Stelle geriet leider durcheinander, daß wir annahmen daß Lord Strongbow statt Frank der Vormund von Grethe ist. Wir wollen diese Inkonsistenz den Einflüssen der Großen Alten zuschreiben und einfach beibehalten. Die Spieler befolgten Freuds Vorschlag Grete zu besuchen und fanden sie gut aufgehoben. Daß ein Patient namens Rennfeldt Lord Strongbow für einen Bolschewisten hielt und sich selber für Zar Nikolaus III mag am Rande erwähnt werden.

Inspektor Prebichl, Madame Blatavia und Privatdozent Gertinek

Die Spieler wußten nun nicht mehr so recht weiter. Mr. McKinley schaute bei Inspektor Prebichl vorbei, der den Fall Lohmann bearbeitete. Da sein Deutsch aber nicht sehr gut war und Prebichl vielleicht auch gar keine Lust hatte, sich mit ihm zu unterhalten, bekam er nur die Nummer von Lohmanns Suite im Hotel Sacher heraus, in der jener ermordet wurde (Nr. 113). Prebichl war überhaupt sehr schlechter Laune und hatte den Fall Lohmann als ungelöst zu den X-Akten gelegt. Ist schon einmal jemanden aufgefallen, daß es auch Y-Akten gibt? Schließlich gibt es schon seit mindestens 20 Jahren eine Sendung namens Aktenzeichen XY ungelöst! Nur, was sind die Y-Akten eigentlich genau? Welche Verschwörung der Regierung steht dahinter? Ist Eduard Zimmermann ein Alien? Womöglich gibt es sogar Z-Akten..

Die ganze Gruppe mietete sich für eine Nacht im Hotel Sacher ein, glücklicherweise war Zimmer 113 sogar zu haben. Da das Hotel Sacher aber ein sehr gepflegtes und diskretes Hotel ist, konnten die Spieler höchstens herausfinden, daß Zimmer 113 ein ganz normales Hotelzimmer ist. Da sie Übernachtung mit Frühstück hatten und letzteres bestimmt besser als das in der Pension Hawlacek war (nichts gegen die Pension Hawlacek, aber im Vergleich mit dem Sacher), wollten unsere Spieler dies auch ausnützen. Dabei machten sie die nette Bekanntschaft von Madame Blatavia, ihres Zeichens spiritistisches Medium, und da die Spieler schon seit mindestens einem halben Jahr an keine Seance mehr teilgenommen hatten, verabredeten sie sich für den nächsten Abend bei eben jener Madame (nur 1 Pfund Unkostenbeitrag, das ist direkt preisgünstig).

Die Seance verlief wie Seancen eben so verlaufen; ein paar Verstorbene meldeten sich zu Wort - darunter eine Kammerzofe Maria Theresias - ein paar Klopfgeräusche waren zu hören und der Tisch wackelte. Die Spieler und die restlichen Gäste, die ziemlich prominent waren, waren jedenfalls mehr von dem das kalten Büffet, das es im Anschluß gab, angetan. Dabei lernten die Spieler einen etwas eigenartigen Privatgelehrten namens Dr. Gertinek kennen, der in ihnen gleich Sponsoren für sein bahnbrechendes Werk "Die rationale Kritik des Christlichen Dogmas" witterte. Gertinek schien nicht nur vom Alkohol sondern auch ein wenig von Mythoswissen angehaucht zu sein. Andererseits war fast nichts Brauchbares aus ihm herauszuholen, außer daß es im türkischen Bad irgendwelche mysteriösen "Wissenden" geben sollte, die dort in Dampfschwaden gehüllt kosmische Verschwörungen ausheckten.

Das türkische Bad

Natürlich mußten die Spieler sofort noch am selben Nachmittag in das türkische Bad gehen. In den Dampfschwaden strengten sie ihre Ohren an um etwas Verschwörerisches zu hören. Tatsächlich! Zwei Männer, die ihre Köpfe unter Handtüchern zusammensteckten murmelten etwas von Azatoth und Kaffehaus Konstantinopel! Lord Strongbow behielt die beiden im Auge und als sie das Bad verließen heftete er sich an die Fersen eines der beiden. Aus dieser Episode lernen sehen wir wieder einmal daß erst eine Uniform einen Offizier zu denselbigen macht; die Verschwörer waren nämlich Offiziere. Die Spur führte offenbar in die Offizierskreise der österreichischen Armee!

Brauner Kaffee

Kaffeehaus Da die Investigators sowieso ganz vergessen hatten, ein echtes Wiener Kaffeehaus zu besuchen, hatten sie jetzt doppelten Grund, das nachzuholen. Der Meister war auch schon in Wien und hat lange nach einem Kaffeehaus gesucht, aber nur Schnellrestaurants gefunden. Wahrscheinlich hat heutzutage niemand mehr Zeit im Kaffeehaus Zeitung zu lesen, aber vielleicht gibt es inzwischen wieder mehr Internetcafes. Aber genug lamentiert, die Spieler jedenfalls fanden ein original Wiener Kaffeehaus vor, in dem es 24 verschiedene Sorten jenes Getränks gab, das laut Mozart (der übrigens nicht aus Wien stammt) blaß und krank macht. Die Kellner konnten sogar Tabellen mit den Farbtönen ihres Kaffees vorweisen. Dabei fiel den Spielern auf, daß die anwesenden Offiziere eine besonders dunkle Mischung bevorzugten und nach ihrer Bestellung in ein Hinterzimmer gebeten wurden. Neugierig auf diesen Turbo Kaffee bestellten die Investigators den gleichen und fanden sich prompt in einem kleinen Zimmer voller hochrangiger Militärs wieder, welche sich weigerten eine Diskussion über Azatoth anzufangen und die ausländischen Zivilisten nach einiger Verwirrung jedoch sofort wieder hinauskomplimentierten.

Der Tod des Zaren

Am Abend besuchten die Spieler nochmal Dr. Gertinek, was aber nichts brachte. Auf der Straße fanden sie dagegen den im übel zugerichteten und im Sterben liegenden "Zaren" Rennfeldt, der den Investigators eine wichtige Information bringen wollte (schon vorher hatte er sich mit einem ziemlich wirren Brief an sie gewendet, in dem er von einer bolschewistischen Verschwörung faselte). Was immer Rennfeldt herausgefunden hatte - irgendjemand hatte irgendwelche Viecher, ob Ratten ob Hunde war unklar auf ihn gehetzt. Mit seinem letzten Atemzug drückte er Mr. McKinley eine Liste österreichischer Offiziere in die Hand. Schade für Rennfeldt, daß die Spieler die Offizierskreise inzwischen ohnehin in Verdacht hatten.

Inspektor Prebichl macht ernst

Zufälligerweise kreutzte dann auch noch die Polizei in Gestalt Inspektors Prebichls auf, der es langsam satt hatte, die Investigators ständig bei irgendwelchen Mordfällen zu treffen und ihnen erstmal die Pässe abnahm. McKinley, der sich weigerte, seinen Paß herzugeben, nahm er auf die Polizeiwache mit und probierte an ihm die neuen Verhörmethoden aus, die er in Detektivromanheftchen gelesen hatte. McKinley konnte ihn nur beschwichtigen indem er auf den Deal hinwies, die sie im vorletzten Abenteuer (Schwarzwaldrequiem Teil 1) mit ihm gemacht hatten. Prebichl gab dem amerikanischen Pathologen den Rat, zusammen mit seinen Freunden die Alpenrepublik innerhalb 3 Tagen zu verlassen, andererseits es ernsthafte Schwierigkeiten von Untersuchungshaft bis hin zur Ausweisung geben könne. Die beschlagnahmten Pässe gab er ihm gleich zu diesem Zweck wieder mit.

Der große Knall am Opernball

Wir kommen nun zum letzten Kapitel unserer Trilogie Schwarzwaldrequiem 1, 2 und Wiener Blut. Völlig überraschend war Grethe Lohmann nämlich aus ihrer Apathie erwacht und konnte aus dem Sankt Eulasius Stift entlassen werden. Dies war keineswegs eine Notlösung des Meisters um das Abenteuer abzuschließen sondern von den Autoren desselben so vorgesehen. Nun konnte Grethe den Spielern endlich die Geschichte ihrer Reise in den Schwarzwald und den wahren Hergang des Todes ihres Vaters schildern, wobei aber eher Details ans Licht kamen statt daß es große Überraschungen gab - die Investigators hatten das meiste schon selbst herausgefunden. Ein wichtiges Detail war jedoch, daß sich Grethe sicher war, den Oberkultisten und Mörder ihres Vaters im Spiegel von Zimmer 113 gesehen zu haben und ihn ohne weiteres identifizieren könnte. Es war auch keine Überraschung daß die Erscheinung eine Offiziersuniform getragen hatte. Zufälligerweise sollte am nächsten Abend der berühmte Wiener Opernball stattfinden, zu dem Grethe ohnehin noch von ihrem Vater als Debütantin angemeldet worden war. Die Spieler hatten zwar keine Karten aber genug Geld sich kurzfristig welche zu besorgen inklusive angemessener Abendgarderobe außer natürlich Pater Sledge, der wie immer in Dienskleidung gehen würde. Stellte sich nur noch das Problem alle außer dem zurückhaltenden Dr. Stevens sie nicht Walzer tanzen konnten. Wer hätte gewußt, daß Dr. Stevens mit seinen 93% auf Tanzen mit jedem Profi mithalten konnte und damit die gute Grethe völlig von sich überzeugte, auch wenn seine Erscheinung nur noch 5 Punkte hermachte. Aber ein Mann braucht bekanntlich ja nicht schön zu sein um bei den Damen anzukommen! Grethe und Dr. Stevens brachten Mr. McKinley und Lord Strongbow noch schnell den Wiener Walzer bei und der Lord übte den Satz ",Darf ik bittn gnaidige Frow?".

Auf der Gala blamierte sich Lord Strongbow allerdings entsetzlich, als er durch die Zentrifugalkraft von seiner Partnerin getrennt wurde und diese zu Boden ging. Pater Sledge, dem solche Betätigungen aus Berufsgründen versagt blieben, verkündete "Ich werde mich lieber an Gottes Gaben laben" und hielt sich derweil am Büffet auf. Aber das Aufsehen wurde noch viel größer als Grethe den gesuchten Mann aus dem Spiegel wiedererkannte und aus Schock gleich ohnmächtig wurde. Es war aber selbstverständlich unmöglich, mitten in der Menschenmenge etwas zu unternehmen, glücklicherweise war zufällig Dr. Siegmund Freud in der Nähe und konnte Grethe schnell wieder aufwecken.
Offiziere Die Spieler überlegten nun, wie sie den identifizierten Oberkultisten stellen könnten. Sie hatten die glorreiche Ideen, ihm auf der Toilette auzulauern und ihn zu entführen, ein Plan, der völlig in die Hose gehen sollte.
Irgendwann mußte ihr Opfer nämlich tatsächlich jene Örtlichkeit aufsuchen und wurde dort von Lord Strongbow auch gleich mit dem Stockdegen bedroht, während MrKinley die Türe zuhielt. Dann befahl er ihm nach Dr. Stevens durch das Fenster zu steigen, das auf einen finsteren Hinterhof hinausging. Draußen wollte der Kultist gleich weglaufen und Stevens versuchte ihn noch festzuhalten. Bei dem kurzen Gerangel stellte sich aber heraus, daß der Offizier mit einer Pistole bewaffnet war und auch nicht zögerte, den guten Doktor niederzuschießen (ein glatter Unterarmdurchschuß). Der Schurke flüchtete bis zum nächsten Kanalisationsdeckel und verschwand in der Unterwelt von Wien. Lord Strongbow verfolgte ihn noch ein ziemlich langes Stück in den stinkenden, schmutzigen und dunklen Gängen. Plötzlich hörte er das Pfeifen von Ratten - allerdings in einer entschieden zu starken Lautstärke, das mußten ja Riesenviecher sein. Da er sich noch lebhaft an das Schicksal des "Zaren" erinnern konnte, kehrte er lieber um und stieg beim nächstbesten Kanaldeckel wieder ans Licht. Auf welcher Straße er herauskam weiß er bis heute nicht und es interessierte ihn auch nicht, da er so schnell wie möglich mit einer Kutsche zur Pension Hawlacek zurückkehrte. Der Anzug war natürlich ruiniert und der Kutscher verlangte auch einen gehörigen Aufschlag wegen des Gestanks.
Auch Richter McKinley und Dr. Stevens, stiegen kurz in die Kanalisation, gaben die Verfolgung aber wegen der völligen Orientierungslosigkeit und dem Zustand Dr. Stevens gleich wieder auf. Lieber suchten sie einen Arzt auf, der Stevens Arm verband und schiente. Dann kehrten auch sie zur Pension Hawlacek auf. Pater Sledge hatte mit Grethe Lohmann den Ball ebenfalls vorzeitig verlassen.

Am nächsten Morgen verließ die Gruppe fast schon fluchtartig Österreich, wobei Grethe mitkam. Am Bahnhof erhaschten sie noch einen Blick auf Inspektor Prebichl, der sie wohl dabehalten wollte.

Die Investigators hinterlassen eine Spur ungelöster Fälle. Wohl können sie den Kultisten Schaden zufügen - die Umtriebe vollständig stoppen gelingt ihnen aber in letzter Zeit nicht mehr. Gewinnen die Kultisten langsam die Oberhand? Der Chronist ist der Meinung, daß dies nicht gegen sondern für die Qualität der Kampagne spricht. Bei einer Flasche Whiskey haben die Herren Stevens und Strongbow letzthin über eine mögliche Vermählung Grethe Lohmanns mit letzterem gesprochen.

Happy End?

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