Titel
Meine Assistentin Choco und ich waren sofort nach dem Abschluß des letzten Falles - es ging um eine Reinigungsfirma, die Leute entführte - von unserem Chef nach New Scotland Yard gerufen worden. Obwohl wir von der Anspannung der letzten Stunden völlig erschöpft waren und es bereits auf Mitternacht zuging, fuhren wir sofort auf Chocos Vespa zum Hauptquartier.

In meinem Vorzimmer begrüßte mich bereits meine Sekretärin Linda Jerkins, die trotz der späten Stunde noch anwesend war. Das konnte nichts Gutes verheißen, wenn der Boss alle seine Untergebenen so dringend um sich scharte.
Zur Aufmunterung hatte Linda uns ihren gräßlichen Kaffee gekocht, der im ganzen Yard berühmt für seine Schlechtheit war und wahrscheinlich selbst von Dämonen verschmäht wurde. Wie immer konnte die dickliche Sekretärin mit der Brille es nicht lassen, mich und Choco, die schokoladenbraune Brasilianerin, anzumachen: "Na, Ihr zwei Hübschen, habt Ihr später noch was vor?"
Wir konnten wirklich nichts dafür, daß Linda nur auf Frauen stand, weshalb ich scheinbar gequält antwortete "Was Du brauchst ist ein richtiger Mann, Schwester".
"Gegen Euch kommt doch keiner an" erwiderte Linda und zeigte mit einem Grinsen, daß sie den Spaß verstand. "Aber jetzt geht lieber rein zum Chef. Er hat bereits Besuch, der auf Euch wartet".

Choco und ich öffneten die Türe zum Büro seiner Königlichen Hoheit. Prinz Charles, der sein Leben der Bekämpfung des Cthulhu Mythos und anderen Horrors gewidmet hatte, saß wie immer hinter seinem Schreibtisch. Natürlich durfte die Öffentlichkeit nie etwas von der wahren Aufgabe seiner Hoheit erfahren. Immerhin war dies der Grund, weshalb seine Ehe zerbrochen war. Vor ihm saß ein attraktives rothaariges Girl in einem grauen Business-Dress in einem der bequemen Ledersessel, die zur Einrichtung des gediegenen Büros zählten. Charles begrüßte uns "Special Agent Unclear und Choco, gut daß Sie so schnell gekommen sind, dies hier ist Special Agent Miss Dana Scully vom FBI. Sie wird mit Ihnen zusammenarbeiten".
Miss Scully reichte uns kühl die Hand, wobei sie uns abschätzend musterte "Auf gute Zusammenarbeit". Sie machte den Eindruck, daß sie den Fall lieber alleine bearbeitet hätte.
Wir nahmen ebenfalls Platz, während Prinz Charles weitersprach "Wie sie schon wissen, geht es um Rumänien, genauer gesagt Transsilvanien. Vor einigen Tagen ist eine britische Reisegruppe dort entführt worden. Die Rumänischen Behörden versuchen die Sache herunterzuspielen und geben keine Informationen heraus, da sie befürchten, daß die Touristen verschreckt werden. Für uns natürlich eine untragbare Situation. Aber unsere amerikanischen Kollegen konnten uns weiterhelfen". Der Prinz blickte Dana aufmunternd an, die uns einige Papiere in die Hand drückte, die auf dem Schreibtisch lagen und fortfuhr.
"Unser Nachrichtendienst hat uns einige Informationen beschafft, die zur Einschaltung meiner Abteilung X geführt haben".
Mir fiel die seltsam monotone Sprechweise der Amerikanerin auf, die von dem Temperament eines Eisbergs zeugte. Andererseits strahlte die Agentin eine faszinierende, unnahbare Schönheit aus, die sie mit einem Geheimnis umgab. Nicht umsonst gehörte sie jener sagenumwobenen X-Abteilung an, von der niemand genau wußte, ob es sie wirklich gab. Nun, zumindest jetzt wußte ich, daß sie existierte.
Ich warf einen Blick auf die Unterlagen. Die erste Seite bestand aus einer schlechten Fotokopie eines Briefes, der mit einer altersschwachen Schreibmaschine getippt worden sein mußte. Leider konnte ich kein Rumänisch. "Auf der zweiten Seite ist die Übersetzung" half mir Charles weiter. Ich überflog den Inhalt.

FVPT Genossen! Sterbliche!

Die Frontul Vampir-Popular Transilvan
wendet sich gegen die unerträgliche und fortschreitende Kommerzialisierung, Trivialisierung, Bagatellisierung, Entmystifizierung, Plagiarisierung, Parodisierung und Korrumpierung aller Vampiristischen Traditionen!

Unsere Gräber und Gruften, die früher ein Ort des Schreckens waren, sind werden als Reiseattraktionen für Pauschaltouristen missbraucht! Die rechtmäßigen Bewohner werden vertrieben und müssen in Ruinen hausen! Der bourgeouise Tourismus vernichtet unsere natürlichen Lebensräume!
Wir fordern deshalb:
STOPPT den Vampir-Tourismus in Transsilvanien!
STOPPT die Verelendung der Genossen Vampire!
STOPPT billige Vampirfilme!
VERBOT des Imports von Plastik-Vampirgebissen!

Wir werden nicht davor zurückschrecken, Touristen in Vampire zu verwandeln und in ihre Herkunftsländer zurückzuschicken!
Vampire alle Länder vereinigt Euch zur Konterrevolution!
Frontul Vampir-Popular Transilvan (FVPT)


"Dieses Pamphlet wurde in einem Hotel am Borgopaß gefunden und uns zugespielt, bevor die Behörden es aus dem Verkehr ziehen konnten" erläuterte Scully.
Prinz Charles ergänzte "Offenbar handelt es sich um Alt-Kommunistische Vampire, die mit dem System unzufrieden sind. In ihrer Gier nach ausländischen Devisen hat die rumänische Regierung in den letzten Jahren auch Gebiete für Touristen zugänglich gemacht, die früher gemieden wurden. Gegenden, in denen Vampirismus herrscht. Unverantwortlich! Stellen Sie sich vor, ein ganzes Charterflugzeug kommt aus Rumänien nach London zurück voller Vampire, how shocking!". Die Ohren des Prinzen glühten vor Aufregung.

Ich gab Choco das Pamphlet weiter und sah mir das zweite Dokument an, das eine verschwommene Schwarz-Weiß Fotografie eines Reisebusses von vorne zeigte. "Dieses Bild wurde bei einer Geschwindigkeitskontrolle aufgenommen" fuhr die FBI Agentin fort. "Es stammt aus den X-Akten. Das Besondere daran ist, sehen Sie.." das Girl deutete mit dem Finger auf die Frontscheibe des Busses "..von dem Fahrer existiert kein Bild!".
Ich wußte, was das bedeutete. Die Vampire machten ernst.
Unterbrechung

Der Lichter des klapprigen Lada Geländewagens bohrten sich durch die Dunkelheit der unzuverlässigen Straße in den Karpaten. Links und Rechts türmten sich die nackten Felswände, während tiefer in der Schlucht der Fluß namens Arges schäumte. Der Schnee machte das Fahren zu einer wahren Geschicklichkeitsprobe. Immer wieder jaulte der Motor gequält auf, wenn der Fahrer in eine engen Kurve herunterschalten mußte. Frantisek Muldereanu wußte, was er zu tun hatte. Seit Generationen stand seine Familie im Dienste des rumänischen Staates. Von König Michael dem Tapferen im 16. Jahrhundert an bis heute hatten die Muldereanus jene Höllenbrut bekämpft, die sich in den Karpaten festgesaugt hatte und einfach nicht auszurotten war: den Vampirismus. Der Spezialagent des rumänischen Geheimdienstes hatte bereits in seiner Kindheit schmerzhaft erfahren müssen, daß das Übel noch heute existierte. Vampire hatten vor vielen Jahren seine kleine Schwester entführt, die nie wiedergesehen wurde.
Aber diesmal waren die Blutsauger zu weit gegangen. Die Entführung von über 20 zahlungskräftigen britischen Touristinnen konnte nicht geduldet werden. Muldereanu befand sich auf dem Weg zur Burg Poienari, dem Stammsitz des Grafen Dracula. Mochten die Bürokraten in Bukarest noch mit der FVPT verhandeln - seine Mission war, die Geiseln notfalls mit Gewalt zu befreien. Ein grimmiges Lächeln umspielte seinen Mund, wenn er an den Eichenpfahl dachte, der im Fond des Wagens lag. Es war Derselbe, mit dem schon seine Vorväter Vampire zur Strecke gebracht hatten. Nun war es an ihm, das Erbe fortzusetzen. Der Wagen schlingerte um eine weitere Serpentine.
Muldereanu stoppte. Vor ihm lag das Ziel seiner Reise: wie ein schwarzer Auswurf der Hölle erhob sich die Silhouette der Burg Poienari einige Hundert Meter über der Straße vor der weißen Scheibe des Vollmonds. Die bizarren Türme und Erker des Alptraumschlosses wurden von Fledermäusen umkreist. Nur kurz betrachtete der Agent das schaurig schöne Bild. Dann jagte er den Lada mit durchdrehenden Rädern weiter.
Unterbrechung

Dana Scully schien von der Vampirgeschichte wenig beeindruckt zu sein. Sie war der Typ Agentin, den nichts an seinen Glauben in die Rationaliät erschüttern konnte. Aber ich und meine Partnerin hatten schon zu viel gesehen, als daß wir dazu noch fähig gewesen wären. Überhaupt schien Choco mit ihrem südamerikanischen Temperament die kühle FBI Agentin nicht sehr sympathisch zu sein. Die beiden nahmen jedenfalls kaum voneinander Notiz. Ich selbst stand irgendwie dazwischen und hoffte nur, daß das Girl im Verlauf unserer Ermittlungen noch auftauen würde.

Wir hatten die üblichen Waffen mitgenommen: Choco den Dämonenzerstäuber, den sie wie immer in einem Baßgeigenkoffer transportierte. Das High Tech Gerät war sowohl gegen konventionelle Horrorwesen als auch cthuloide Kreaturen wirksam, wenngleich ein wenig unhandlich. Ich selbst hatte meine Vektor CP1 mit Spezialmunition geladen. Es gab in unserer Abteilung zwei Arten von Munition: zum einen die konventionellen Silberkugeln, die von Mönchen geweiht waren, aber gegen die Schrecken des Cthulhu Mythos fast wirkungslos waren. Dann gab es noch normale Stahlgeschosse. Sie waren billiger, aber auch ziemlich nutzlos. Bei diesem Einsatz würden wir es mit ganz konventionellen Vampiren zu tun haben, weshalb ich die Silbermunition gewählt hatte. Zusätzlich hatte ich in meine Rucksack, der mich immer begleitete, noch einen kleinen Vorrat an Weihwasser und hochkonzentrierte Mojo-Soße dabei, einer spanischen Knoblauchspezialität, die selbst Menschen umhauen konnte.
Die Amerikanerin hatte unsere Ausrüstung mit Mißbilligung zur Kenntnis genommen. "Glauben Sie wirklich, daß diese Gegenstände für uns von Nutzen sein werden?" fragte sie säuerlich, als wir unser Gepäck zusammenstellten.
"Diese Art von 'Gegenständen' sind Teil einer Tradition, die in Amerika natürlich nicht besteht" beherrschte sich Choco mühsam.
"Wenn Sie Tradition mit Aberglauben gleichsetzen wollen, gebe ich Ihnen recht" stichelte Scully weiter.
Ich sah mich genötigt, den entstehenden Streit zu schlichten "Hört schon auf, zumindest kann es nicht schaden, alle Eventualitäten zu berücksichtigen".
"Unclear, wir werden ja sehen. Vielleicht können wir die wissenschaftliche Fachliteratur zu diesem Thema ja widerlegen" schloß die FBI Agentin die Diskussion gequält ab.
In ihren Augen waren Choco und ich spleenige Engländerinnen, die im letzten Jahrhundert stehen geblieben waren. Aber sie würde noch eines Besseren belehrt werden.

Unser Plan war, als ganz normale Touristinnen eine Last-Minute Rundreise der Firma Karpati-Tours mitzumachen und dabei die Augen offen zu halten. Beim Abschied hatte seine Königliche Hoheit Prinz Charles uns persönlich viel Glück gewünscht.
Wir würden es brauchen können, denn in Rumänien sollte ich zum erstenmal erleben, was ich schon immer befürchtet hatte: daß eines Tages der konventionelle Gothic-Horror und die cthuloiden Schrecken sich zusammentun würden. Auch wenn sowohl ihre Herkunft als auch ihre Ziele völlig unterschiedlich waren, so hatten sie doch gemeinsame Feinde. Zum Beispiel uns.
Unterbrechung

Muldereanu stand vor der Burg Poienari. Die letzten paar Hundert Meter hatte er halb kletternd, halb zu Fuß zurückgelegt, da von dem ehemaligen Weg, der bis vor den Eingang führte, nichts mehr übrig war. Poienari war nur noch eine Ruine. Es gab kein Tor mehr. Der Eingang zum Burghof gähnte Muldereanu entgegen. Nichts war zu hören, außer dem Wind, der hier oben beißend kalt war und dem Flattern der Fledermäuse, die um die verfallenen Türme kreisten. Dies hier war die wirkliche Burg Draculas gewesen, nicht Schloß Bran, das den Grusel-Touristen vorgeführt wurde. Selbstverständlich geschah dies aus Sicherheitsgründen, denn Poienari - das wußte jeder - war immer noch eine Brutstätte des Vampirismus - und das Hauptquartier der FVPT. Jeder normaler Mensch machte wenn möglich einen weiten Bogen um diese Gegend.
Aber Frantisek Muldereanu hatte keine Wahl. Der Vampirjäger faßte seinen Eichenpfahl fester und schritt durch das Tor.

Der verschneite Burghof war ziemlich unübersichtlich. Gestrüpp und heruntergefallene Steine bedeckten den Boden und warfen tiefe Schatten im Mondlicht, die mit dem funkelnden Schnee kontrastierten. Muldereanu überquerte den Hof und betrat den verfallenen Palas, dem Fenster und Türen fehlten. Nacktes Gemäuer war alles, was von den prächtigen Räumen übriggeblieben war. Abgeblätterter Mörtel knirschte unter den Schuhen des rumänischen Spezialagenten. Er schaltete die Taschenlampe ein, die er mitgebracht hatte. Die oberirdischen Gebäude waren nicht mehr genug erhalten, als daß sie als Unterschlupf für die Terrororganisation dienen konnten. Ausserdem würden sich Untote ohnehin nur unter der Erde wohlfühlen. Sich vorsichtig vorwärts tastend, hielt der Agent Ausschau nach einem Weg nach unten. Dort drüben war eine niedrige Pforte mit einer Steintreppe, die steil nach unten führte. Würde er hier die Geiseln finden, die er befreien sollte?

Etwas mulmig war dem Vampirjäger schon, als er die Treppe hinunterstieg. Die FVPT achtete sehr auf Tradition - es war kein Zufall, daß ihr Hauptquartier dem Klischee einer Vampirgruft entsprach. Sogar für den passenden modrigen Geruch hatte man gesorgt. Am Ende der Treppe fand Muldereanu das vor, was er erwartet hatte. In einem kahlen, gemauerten Raum standen aufwendig verarbeitete Holzsärge. Der Lichtkegel der Taschenlampe tanzte über Chrom-Zierleisten und vergoldete Griffe. Vorne Mazegeranu, links davon Onzea, dahinter Jonescu und Ceaucescu - Muldereanu zog die Luft ein; doch nicht etwa Nicolae Ceaucescu, der Ex-Diktator aus der Zeit des Kommunismus? Offiziell war er 1989 nach der Revolution hingerichtet worden, aber was, wenn er ein Vampir war? Dann würde er dies sicherlich überstanden haben. Das würde auch einiges bezüglich der FVPT erklären.
Dem Agenten fiel ein kleines Messingschild auf: "Manufactured for Hammer Film Productions". Die Särge waren ausgediente Requisiten der berühmten Dracula Filme aus Hollywood! Und das, wo doch gerade die FVPT ständig gegen westlichen Vampir-Kitsch wetterte.. Aber die Ami-Särge waren halt einfach komfortabler als die harten Kisten aus Rumänischer Eigenproduktion. Die waren für das gemeine Vampirvolk.

Muldereanu wußte, daß er schnell handeln mußte. Die Geiseln konnte er später immer noch suchen. Entschlossen trat er an den Sarg Ceaucescus und legte die Taschenlampe auf den Deckel des Nachbarsarges. Beim Abnehmen des schweren Deckels mußte er sich überwinden, in den Sarg zu blicken. Tatsächlich, er war es! Scheinbar schlafend lag der Große Kondukator, wie er sich früher nennen ließ, in der Totenkiste, die Hände über der Brust gefaltet. Seine Haut war fast weiß, nur die Lippen von einem lüsternen Rot und von einem grausamen Lächeln verzerrt, so daß die Spitzen der Eckzähne zu sehen waren. Ohne eine Sekunde zu zögern holte der Spezialagent mit seinem Eichenpfahl hoch aus und jagte ihn so fest er konnte in die Brust des Vampirs. Blut spritzte. Erschreckt riß das Monster seine Augen auf, sah den Pfahl, umklammerte ihn, versuchte ihn aus seiner Brust zu reißen - aber vergeblich. Die Arme erschlafften und der unausweichliche Zerfall der Leiche, der durch unheilige Kräfte viel zu lange aufgehoben gewesen war, begann. Innerhalb von Sekunden waren nur noch Knochen und Staub in dem Sarg. Der Große Kondukator hatte sein endgültiges Ende gefunden.

Hinter Muldereanu fiel etwas klappernd zu Boden. Die Taschenlampe! Der Agent fuhr herum. Die anderen Särge! Ihre Deckel wurden von innen beiseite geschoben. Drei Horrorgestalten setzten sich langsam auf und blickten erst auf Muldereanu und dann bestürtzt auf das Werk des Vampirjägers. Doch dann verwandelten sich ihre Mienen in grausame Fratzen des Hasses..


Unterbrechung

Es war kalt in Transsilvanien. In England waren die Winter zwar nasskalt und windig, aber das war gar nichts gegen die frostigen Temperaturen in den Karpaten. Es war schon ziemlich verrückt, eine Rundreise im Winter zu machen, aber wir waren ja nicht zum Spaß hier. Wir hatten einen Job zu erledigen.
Nachdem wir Hunderte von Kilometern per Autobus zurückgelegt hatten und uns die wenigen Sehenswürdigkeiten von Rumäniens Countryside angesehen hatten, waren wir heilfroh, einigermaßen am Ziel unserer Reise angelangt zu sein: "Hotel Dracula" am Borgopaß.
Trotz der unwirtlichen Jahreszeit war das Hotel gut besucht. Vampirfans aus aller Herren Länder sorgten für guten Umsatz. Es gab eine Horror-Disko und im Keller sogar eine Gruft, die gegen Eintritt besichtigt werden konnte.
Das Hotel war nicht übel - nur wahnsinnig kitschig. Hier würden wir kaum echte Vampire antreffen. Choco und ich waren enttäuscht und sogar unsere amerikanische Begleiterin konnte dem Vampirkommerz nichts abgewinnen, was ihr bei meiner Assistentin immerhin einige Pluspunkte einbrachte.

Nachdem wir unsere Zimmer bezogen hatten, nahmen wir erst einmal ein ausgiebiges Dinner ein. Der Speisesaal war elegant und hatte durchaus Niveau. Choco trug ein beiges Etui-Kleid und darüber einen Gehrock mit Nadelstreifen, das ihre braune Haut besonders gut zur Geltung brachte. Ich hatte mir einen schwarzen Dreiteiler mit Frankfurter Taschen und silberfarbenen Knöpfen angezogen. Dana Scully hatte einen einreihigen uni-grauen Blazer mit passender Weste und schlanker Hose angezogen. Ob sie ihre Waffe trug, konnte man nicht sehen. Wir drei waren schon ein umwerfender Anblick, was die Blicke der anwesenden Frauen deutlich verrieten.
Vor dem Essen gab es Aperitifs. Ich bestellte einen Sherry bei einem der hübschen jungen Kellner, die sich um das Wohl der Gäste kümmerten. Als sich der Boy von unserem Tisch entfernte, führte sein Weg an einem der Wandspiegel vorbei und da passierte es. Der Kellner hatte kein Spiegelbild!

Also gab es doch Vampire hier! Sofort machte ich meine Begleiterinnen darauf aufmerksam. Ich verfolgte den jungen Mann mit den Augen. Wenn er den Saal verließ, würde ich ihm folgen. Vielleicht konnte ich etwas aus ihm herausbringen.
Ich brauchte nicht lange zu warten, da bewegte er sich in Richtung Ausgang. Ich nahm meine Handtasche, in der sich meine Vektor CP1 befand, und setzte mich ebenfalls in Bewegung. Choco und Scully hatte ich bedeutet, dazubleiben um nicht zuviel Aufmerksamkeit zu erregen.

Die Schwingtüre, durch die der Boy den Speisesaal verlassen hatte, führte in einen kurzen Durchgang, der geradeaus in der Küche mündete. Rechts ging eine kleine Türe nach draußen, hinter der es nach Abfällen stank. Links befand sich ebenfalls eine offenstehende Türe. Hinter ihr lag eine Anrichte für Getränke. Hier fand ich den Vampir - denn um nichts anderes mußte es sich handeln - wie er gerade unsere Aperitifs auf einem Tablett einschenkte. Überrascht blickte er auf und setzte zu einer freundlichen Erklärung an
"Sorry Miss, aber hier hat nur Personal Zutritt, die Toiletten befinden sich am anderen Ende des.."
weiter kam er nicht, denn ich schloß sehr bestimmt die Türe hinter mir.
Vielleicht war ihm Ähnliches auch schon öfter passiert, denn er schaltete sofort "Ah, Miss, ich bin gerade sehr beschäftigt, vielleicht später?"
Vielleicht wenn er kein Vampir gewesen wäre, hätte ich Gefallen an seinen Gedanken gefunden. Aber ich bezweifelte, daß es ein Vergnügen sein würde, sich mit einem Blutsauger wie ihm zu unterhalten. Dennoch mußte ich diplomatisch vorgehen, wenn ich Informationen von ihm bekommen wollte.
"Kein besonders lukrativer Job, was?" fragte ich ihn scheinbar gelangweilt und musterte das Getränkekabinett, das hinter ihm aufgebaut war.
"Ja Miss, aber heutzutage muß man froh sein, wenn man nicht auf der Straße steht".
Der Boy war so gut wie fertig mit seinen Verrichtungen, weshalb ich mich beeilen mußte. Ausserdem konnte jede Sekunde jemand hereinkommen. Ich schoß deshalb ins Dunkle:
"Schon mal was von der FVPT gehört? Wir suchen junge Leute wie Dich".
Vor Schreck warf der Boy gleich ein paar Gläser auf seinem Tablett um. "Hören Sie Miss, ich bin ein ehrlicher Vampir und will mit diesen Dingen nichts zu tun haben! Ich interessiere mich nicht für Politik, schon zu früheren Zeiten nicht. War auch besser so." Hastig stellte er die Gläser wieder auf und füllte sie neu, wobei er allerdings ziemlich viel verschüttete. Die FVPT mußte einen höllischen Respekt genießen, wenn selbst ein solcher Diener des Teufels Angst davor hatte. Ich gestehe, daß auch ich im Moment ziemlich überrascht war. Und so konnte es passieren, daß ich mich verriet. Ich versuchte den Vampir mit einem Lächeln zu beruhigen und vergaß dabei, daß mein Gebiß überhaupt nicht zu der Rolle paßte, die ich ihm vorspielte.
Der Boy war wirklich verdammt auf Draht, denn er bemerkte es sofort und bekam auch gleich wieder Oberwasser. Er fletschte seine Vampirzähne zu einem gemeinen Grinsen.
"So, so, meine Kleine, genug der Spielchen" fauchte er, wobei er sich bedrohlich näherte. Das war kein Spaß mehr.
Wie sollte ich reagieren? Ich wirbelte herum und riß die Türe hinter mir auf. Der Gruftie setzte nach und erwischte mich an der Schulter. Mit einem häßlichen Geräusch riß der Stoff meines Kleides, als er mich festhielt. Ich versuchte meine Sumo-Technik anzuwenden und mit einem TSUKIDASHI loszukommen, aber der Boy hatte übermenschliche Kräfte. Verzweifelt versuchte ich seinen Griff abzuschütteln, aber der Blutsauger beugte sich immer mehr vor und seine Zähne näherten sich unaufhaltsam meiner Halsschlagader. Nur noch wenige Sekunden und er würde zubeißen. In höchster Not versuchte ich mit meinem freien Arm an meine Handtasche zu kommen, aber es war zu kompliziert, sie zu öffnen. Ein Detail, das ich übersehen hatte.

Meine Rettung kam in Gestalt des Oberkellners, der gerade mit einem Tablett voller Teller vorbeikam. "Jessus, Jurec, bist Du von allen Guten Geistern verlassen!" brüllte er angesichts der eindeutigen Szene, die er zu sehen bekam. Beim Hören seines Namens in einem Zuge mit dem des Erlösers zuckte der Vampir zusammen. Ich hatte einen Moment Luft; genug, um endlich die Handtasche zu öffnen und die Vektor CP1 herauszureißen, sie an den Kopf des Kellners zu halten und zweimal abzudrücken.
Bei einem solchen Geschöpf des Bösen sind Skrupel fehl am Platz. Die beiden 9mm Geschosse zerrissen den Schädel des Ungeheuers; es gab eine Riesen - Schweinerei durch das herumspritzende Blut und sonstige Dinge, an die ich lieber nicht dachte. Sofort tat das geweihte Silber seine Wirkung: der Vampir sank zusammen und ging sofort in den Zustand der Verwesung über. Der Oberkellner, stand leichenblass daneben und sah aus, als würde er gleich ohnmächtig werden. Der Fußboden war übersät mit den Scherben der Teller, die er vor Schreck fallengelassen hatte. Auch mein Kleid war wohl hinüber. In der Schwingtüre hinter ihm tauchten Choco und Dana auf, die den Lärm gehört hatten. Choco war echt schockiert aber die amerikanische Agentin blickte fasziniert auf den sich langsam auflösenden Körper des Kellners. Diese Frau war wirklich durch nichts zu erregen - mir schoß durch den Kopf, daß ihr Verhältnis zu Männern wahrscheinlich genauso frigide war. Vielleicht würde SIE eines Tages eine Erklärung dafür finden, warum sich alle Monster jeglicher Art nach ihrem Tode auflösten. Später sollte ich erkennen, daß es ihr Schicksal war, die Realität des Übernatürlichen nicht akzeptieren zu können.

Während wir alle 4 noch wie gelähmt dastanden flog plötzlich die Außentüre gegenüber der Anrichte auf. In ihr stand ein Mann. Er war fürchterlich zugerichtet und blutete aus zwei Löchern am Hals - Frantisek Muldereanu!
Unterbrechung

Natürlich hatte mein jüngstes Erlebnis ein polizeiliches Nachspiel. Aber unsere Ausweise als Spezialisten von Scotland Yard und FBI sorgten dafür, daß wir keine weiteren Schwierigkeiten bekommen würden. Frantisek Muldereanu trug seinen Teil dazu bei, indem er den Fall an sich zog.

Der Vampirjäger schilderte uns sein Abenteuer. Nachdem er den Anführer der FVPT zur Hölle geschickt hatte, stürzten sich drei seiner untergebenen Vampire auf den Agenten. Muldereanu konnte nicht verhindern, daß er gebissen wurde. Mit Mühe und Not konnte er fliehen, zu seinem Wagen laufen und hierher fahren. Dana war der Ansicht, daß die Erkenntnisse nicht ausreichend seien und auch Choco wollte noch mehr erfahren. Aber ich nahm sie beiseite und bat sie, einstweilen von weiteren Fragen abzusehen.

Jetzt, wo unsere Identität kein Geheimnis mehr war, bot ich dem Rumänen unsere Zusammenarbeit an. Zusammen könnten wir die FVPT ausschalten und die Touristinnen befreien. Muldereanu akzeptiere. Er würde uns in die Höhle des Löwen führen. Wir brachen sofort auf.
Unterbrechung


Muldereanu fuhr wie der Teufel. Zum zweitenmal in dieser Nacht kämpfte sich
der Lada des Agenten zur Burg Poienari durch. Scully und Muldereanu saßen
vorne, Choco und ich hinten. Der abergläubische Rumäne und die von ihrer Wissenschaft besessene Amerikanerin waren schon ein seltsames Duo. Choco hatte den Dämonenzerstäuber mitgenommen. Eventuell würden wir schweres Geschütz brauchen.
Burg Poienari war Luftlinie nicht sehr weit entfernt, aber über die Karpaten führten keine Straßen, so daß unser Weg durch die engen Täler führte.
Wir waren alle sehr angespannt; niemand wollte etwas sagen.
Nach schier endloser Zeit kamen wir genau an der Stelle an, an der Muldereanu den Wagen schon einmal abgestellt hatte. Sollten wir abwarten, bis es Tag war und die Vampire in ihren Särgen ruhten? Mitternacht war längst vorüber, aber da es mitten im Winter war, würde es noch mindestens bis 8 Uhr morgens dauern, bis hell würde. Zu lange, um tatenlos herumzustehen.
Wir machten uns an den Aufstieg zu der Festung.

Choco hatte den Dämonenzerstäuber genommen und ihn sich quer über die Schultern gelegt. Muldereanu bot an, ihn zu tragen, aber Choco lehnte dankend ab. Sie wollte die empfindliche High-Tech Waffe nicht aus der Hand geben. Ausserdem erschien der Boy doch ziemlich von seinem Vampirbiß geschwächt. Der Weg war steil aber gottseidank kurz. Schon bald standen wir vor dem Eingangstor der zerfallenden Festung. Sie wirkte noch immer genauso einsam und verlassen, wie sonst. Aber wir wußten, daß der Schein trügte. Irgendwo dort drinnen mußte die FVPT und 20 unschuldige englische Touristinnen stecken.

Ich schlug vor, daß wir uns trennen sollten. Choco sollte auf einem der alten Tortürme Stellung beziehen und den Dämonenzerstäuber scharf machen. Sie würde dann den Hof und den Eingang überwachen. Scully, Muldereanu und ich wollten noch einmal in die Vampirgruft hinabsteigen und uns auf die Suche nach den Geiseln machen, die wahrscheinlich in einem der Verliese unter der Burg gefangengehalten würden. In spätestens 15 Minuten würden wir uns wieder am Eingang treffen. Alle waren einverstanden.

Muldereanu ging voran und zeigte uns den Weg. Jeder von uns war mit einer Taschenlampe ausgerüstet. Ich hatte diesmal meinen McNeill Rucksack mit der Ausrüstung dabei. Dana hatte ihre Waffe gezogen - sie wollte nicht glauben, daß sie ihr nichts nützen würde. Der Rumäne trug seinen Pfahl aus Eichenholz.
Unten in der Gruft mußten wir feststellen, daß die Vögel ausgeflogen waren. Die 4 Hollywood-Särge standen immer noch so da, wie Muldereanu sie verlassen hatte. Dana Scully machte eine ironische Bemerkung wie "Schade, ich wollte zu gerne einmal einen echten Vampir kennenlernen". Wir wollten den unheimlichen Ort schon fast wieder verlassen, als Muldereanu uns gebot, still zu sein.
"Hinter dieser Wand dort sind Stimmen," flüsterte er.
"Muldereanu, Sie fantasieren, dort ist nichts außer Erdreich und Steine" entgegnete Scully gelangweilt.
Der Agent tastete die Wand ab. Plötzlich gab einer der Steine nach und eine Geheimtüre schwenkte auf. Fackelschein kam uns entgegen. Wir hatten das Gefängnis der Geiseln entdeckt! Mir hatte nur niemand gesagt, daß die 20 englischen Touristen allesamt Teenies aus einem Mädcheninternat waren, die wild durcheinanderschrien, als sie uns sahen.

Scully und ich zückten unsere Dienstausweise und traten ein. Das war ein Fehler.

Die Geheimtüre schlug hinter uns zu. Muldereanu hatte uns eine Falle gestellt! Er war mir schon von Anfang an nicht ganz geheuer erschienen. Warum hatten ihn die Vampire nicht einfach umgebracht? Ganz einfach, weil er ihnen als Sklave nützlicher war. Er sollte uns genau hierher locken und dann festsetzten. Ich hatte dies schon von Anfang an vermutet und war zum Schein auf seinen Plan eingegangen, aber er hatte uns übertölpelt. So standen wir umgeben von hysterischen Teenagern und versuchten sie zu beruhigen während wir gleichzeitig nach einem Mechanismus suchten, um die Türe von innen zu öffnen. Wie vorherzusehen war, existierte keiner. Aber es kam noch schlimmer.
Unterbrechung

Eines der Girls kreischte plötzlich auf und deutete auf eines der Luftlöcher, die den Qualm der Fackeln ableiteten. Es sah aus, als würde Pech daraus hervorquellen, aber es war etwas anderes. Es war eine lebende Masse aus schwarzem, stinkenden Protoplasma. Auf der Oberfläche dieses Dings, das nur ein Shoggote sein konnte, bildeten sich unablässig Blasen, die wie Augen aussahen, Mäuler, die aufklappten und wieder zerflossen sowie zahllose Tentakel, die seine Umgebung abtasteten. Ich hatte noch nie mit einem Shoggoten zu tun gehabt, aber wenn der verrückte Araber Abdul Alhazred recht hatte, standen wir einem der gefährlichsten Wesen des Universums gegenüber. Panik brach aus.

Die Girls drängten sich in die gegenüberliegende Ecke. Dana Scully und ich standen zwischen ihnen und dem Monster, das langsam näher kam. Die Agentin an meiner Seite schoß mit ihrer Waffe auf das Ding, aber es war sinnlos. Kugel um Kugel klatschte in das unheilige Protoplasma und riß darin Löcher. Löcher, die sich sofort wieder füllten. Außerdem jaulten uns die Querschläger gefährlich um die Ohren. Ich suchte fieberhaft eine Lösung. Auch meine Silberkugeln würden nichts nützen, denn der Shoggote war eine Kreatur des Cthulhu Mythos. Wenn mir nichts einfiel, würde der Shoggote uns schon bald genüßlich auffressen. Diese Bestien fraßen angeblich einfach alles, was ihnen in den Weg kam. Da hatte ich die rettende Idee.

Ich holte die Flasche mit der Mojo Soße aus meinem Rucksack. Dann legte ich eine Spur quer durch den Raum zu der Geheimtüre. Mit fliegenden Fingern verschmierte ich das stark nach Knoblauch riechende Zeug in den Fugen. Vielleicht würde der Shoggote die Soße delikat finden und uns vorziehen - ekelhaft genug war sie jedenfalls.
Mein Plan ging auf! Das Monster roch den Knoblauch, wälzte sich genüßlich der Spur entlang und drang in die Fugen der Türe ein. Der Mörtel begann langsam zu bröckeln, Staub rieselte. Der gefährliche, aber dumme Shoggote begann tatsächlich, in seiner Gier die Geheimtüre zu aufzusprengen! Wahrscheinlich dachte er, dahinter befände sich noch mehr von dem Stoff. Schon brach sie polternd zusammen. Der Weg war frei!

Der Shoggote war durch die herabfallenden Steine ein wenig auseinandergespritzt worden und würde ein paar Sekunden brauchen, um wieder zusammenzufinden. Zeit, die wir nutzen mußten. Mit einem Riesen Satz sprang ich über die ekelige Masse und rief den Anderen zu, es mir gleich zu tun. Dana zögerte. Sie wollte wohl beobachten, wie sich der Shoggote regenerierte. Verdammt, diese Amerikanerin konnte einem schon auf die Nerven gehen mit ihren Zicken. Zum Glück begriffen wenigstens die Internatsmädels Ernst der Lage und kamen mir nach.

Ich stürmte im Dunkeln die Treppe hoch. Als ich oben im Licht herauskam, wurde ich mit "Halt, Securitate!" empfangen. Securitate - der Name der berüchtigten Geheimpolizei des Grossen Kondukators.. Drei Gestalten stellten sich in meinen Weg - offenbar der ganz harte Kern der FVPT. Wahrscheinlich auch die selben Typen, gegen die Muldereanu gekämpft hatte. Ernst nehmen konnte ich sie allerdings nicht. Die drei altkommunistischen Blutsauger sahen einfach zu lächerlich in ihren altmodischen Anzügen mit roten Nelken im Knopfloch aus.
"Stirb, faschistische Agentin!" knurrte einer der Vampire und kam drohend auf mich zu. Das war natürlich Blödsinn, da ich als treue Untertanin der britischen Krone bestenfalls eine "monarchistische" Agentin war. Aber ich hatte einfach keine Zeit, mich mit ihnen über Politik zu streiten, da hinter mir 20 Girls von einem Shoggoten gehetzt wurden. Also nahm ich meine Vektor CP1 in beide Hände und eröffnete das Feuer. Zwei Vampire waren auf der Stelle tot - den geweihten Silbergeschossen hatten sie nichts entgegenzusetzen. Aber es waren aber halt doch zu viele, denn der dritte im Bunde schaffte es, bis zu mir heranzukommen und mich anzugreifen!
Ich konnte nicht schnell genug reagieren. Der Vampir schlug mir die Pistole aus der Hand und hob sie blitzschnell wieder auf. Ich blickte auf einmal in den Lauf meiner eigenen Waffe. Warum wollte er mich nicht aussaugen, wie alle anderen Opfer? "Du verdienst es nicht, eine von UNS zu werden" begründete er seine Entscheidung, mich statt dessen zu erschießen. Das war eigentlich nicht Vampir - like. Ich konnte mir eher vorstellen, daß den alten Knaben der Geruch der Mojo-Soße, die an meinen Händen klebte, abstieß. Egal, ich hatte weder Lust ausgesaugt zu werden, noch durch eine Kugel zu sterben. Ich drückte mich gegen die Wand in meinem Rücken, aber es gab kein Entkommen. Er drückte ab...
Unterbrechung

Der Torturm, in dem Choco Stellung bezogen hatte, war ziemlich massiv gebaut und hatte deshalb dem Zahn der Zeit relativ gut getrotzt. Sie hatte sich für das Turmzimmer im zweiten Stockwerk entschieden. Hier gab es ein Fenster, dessen Ränder abgebröckelt waren und durch das sie den ganzen Burghof überblicken konnte. Choco hatte den Dämonenzerstäuber vor diesem Fenster aufgebaut und scharf gemacht. Der Wind pfiff immer noch jämmerlich durch die alten Mauern und die Brasilianerin, die wärmeres Klima gewohnt war, trat von einem Fuß auf den anderen um sich warmzuhalten. Manchmal kam es der Studentin absurd vor, einen Nebenjob ausgerechnet bei einer Spezialabteilung von Scotland Yard zu haben. Dabei hatte es ganz harmlos begonnen: Choco hatte sich damals nach einem Job umgesehen um ihr Physikstudium finanzieren zu können. Na ja, es ging auch darum, sich ein paar neue Klamotten zu leisten. "Studentische Hilfskraft für Laboraufbauten gesucht", lautete der Zettel, der am schwarzen Brett des Birkbecks Colleges der University of London angeschlagen gewesen war. Im Grunde stimmte das schon, nur daß es bei den Laboraufbauten um den Prototypen des Dämonenzerstäubers ging, der damals noch in der Entwicklungsphase stand. Unvermittelt landete sie beim Scotland Yard. Und daß das Ganze damit enden würde, daß sie mit zusammen einer Spezialagentin Dämonen auf der halben Welt jagen würde, hätte sie nie geglaubt.

Plötzlich ertönten Schritte auf der Treppe. Verdammt, wie konnte jemand hereinkommen, ohne daß sie ihn gesehen hatte? Gespannt blickte sie auf Stufen der alten Steintreppe. Die Schritte waren monoton und schwer. Sollte sie den Zerstäuber herumschwenken? Das war riskant, denn bei so wenig Platz.. Choco zögerte hin und her.
Dann tauchte ein Mann auf der Treppe auf - Choco seufzte erleichtert. Es war nur Frantisek Muldereanu. Lächelnd winkte er mit seinem Holzpfahl.
Unterbrechung

Der FVTP- Vampir drückte ab, aber nichts passierte. Bei dem Aufprall der Vektor mußte die Sicherung eingerastet sein. Zum Glück checkte der Gruftie das nicht. Irritiert drehte und wendete das Monster die Waffe hin und her. Das war meine Chance. In meinem Rucksack befand sich noch immer ein Fläschen mit Weihwasser, die ich aus England mitgebracht hatte. Ich holte sie hervor, öffnete sie, und spritzte das heilige Wasser dem Vampir über die Hände. Die Wirkung war eine Ungeheure. Der Untote schrie entsetzt auf, ließ die Pistole fallen und versuchte seine Hände an seiner Jacke trocken zu bekommen. Ich hechtete nach der Waffe, bekam sie zu fassen, rollte herum und schoß noch aus der Drehung ein, zwei, dreimal.
Der Höllendiener taumelte zu Boden und blieb reglos liegen. Auch er würden in Kürze nur noch Staub sein. Ich sprang über die sich auflösenden Körper ins Freie.

Dort hörte ich Schreie aus dem Torturm: "Miserável porco, vá ao inferno, faça exame daquele!".
Das konnte nur Choco sein, die wie immer wenn sie aufgeregt war, ihre Muttersprache Portugiesisch benutzte. Muldereanu hatte sich ihr ganz normal genähert und war plötzlich mit dem Eichenpfahl auf sie losgegangen. Choco hatte zwar Karate immer nur als Pflichtübung betrachtet und war deshalb nie besonders gut gewesen, aber der Vampirjünger hatte es sicher nicht einfach, mit ihr fertig zu werden. Die Südamerikanerin konnte sich in eine Raubkatze verwandeln, wenn es darauf ankam. Ich sprintete über den Burghof zu dem Turm, nahm drei Stufen auf einmal und kam gerade dazu, als der Verräter dabei war, dem Girl mit dem Eichenpfahl die Luft abzudrücken. Die Vektor konnte ich hier nicht einsetzen, ohne Choco zu gefährden, deshalb griff ich zu meiner Wrestling - Technik. Mit einem TOMAHAWK schlug ich den Rumänen von hinten zu Boden und schickte auch gleich einen TOMBSTONE als finishing move hinterher. Frantisek Muldereanu lag platt am Boden und rührte sich nicht mehr.

Im Burghof herrschte inzwischen ziemliche Panik. Die Girls aus dem Internat rannten kreuz und quer, während Dana Scully von dem Shoggoten verfolgt wurde, der es offenbar allein auf sie abgesehen hatte. Choco richtete den Dämonenzerstäuber wieder auf, der bei dem Kampf umgefallen war und zielte. Es war riskant, denn leicht konnte eine der befreiten Geiseln in die Schußlinie laufen. Aber die Studentin ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Sie wartete den günstigsten Zeitpunkt ab und aktivierte die Waffe.
Der Strahl des Zerstäubers erfasste den Shoggoten und ließ ihn in einem bläulichen Licht aufleuchten. Dann wurde die Kreatur zerbeamt. Einige Augenblicke später sah es aus, als sei der Shoggote nie dagewesen. Wir hatten gewonnen.

Doch plötzlich nahm ich aus den Augenwinkeln eine Bewegung wahr: Muldereanu war aufgesprungen und griff nochmals mit seinem Pfahl an! Er stürzte sich in vollem Lauf auf mich, den Pfahl wie einen Speer vor sich haltend. Reflexartig griff ich nach dem Holz, bekam es ziemlich weit vorne zu fassen und hebelte den ehemaligen Agenten mit seinem eigenen Schwung aus dem Turmfenster. Er stürzte hinab auf die kalten Steine des Burghofes und der Holzpfahl, der zum Kampf gegen das Böse bestimmt war, durchbohrte seine eigene Brust.
Frantisek Muldereanu, der Vampirjäger aus Rumänien hatte sein Versagen mit dem Leben bezahlt.

Zusammen mit Dana Scully versammelten wir die englischen Touristinnen und versuchten, sie zur Ruhe zu bringen. Ob die FBI Agentin nun an die Realität des Übersinnlichen glaubte? Auf meine diesbezügliche Frage antwortete sie kühl wie immer
"Es geht nicht darum, was Sie GLAUBEN, Unclear, sondern um wissenschaftliche Fakten."
Der Frau war einfach nicht zu helfen.

E N D E

P.S. Ich weiss schon, dass im Winter keine Fledermäuse fliegen, wer hat's bemerkt? Eure Susan.



© Susan Quark, Das Cthuloide Cabinett

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